Im Fussball dreht sich fast alles um die 90 Minuten. Um Tore, Punkte, Aufstellungen und verpasste Chancen. Doch was eine Mannschaft und einen ganzen Verein ausmacht, entsteht oft dann, wenn kein Spiel läuft und die Tribünen leer sind: in der Zeit zwischen den Spielen.
Seit unserem letzten Heimspiel gegen Neuchâtel Xamax sind drei bewegte Wochen vergangen. Nach der knappen Niederlage gegen die Neuenburger erlebten wir auf der Schützenwiese einen Abend, den wir uns ganz anders vorgestellt hatten. Das 0:5 gegen Winterthur tat weh. Nicht nur wegen des Resultats, sondern weil unsere Mannschaft nicht zeigen konnte, was eigentlich in ihr steckt.
Nach solchen Spielen gibt es keine einfachen Antworten. Man schaut die Szenen nochmals an, spricht miteinander und versucht herauszufinden, was nicht funktioniert hat. Das geschieht meist abseits der Öffentlichkeit. Genau dort beginnt aber die Arbeit, die nötig ist, um wieder aufzustehen.
Auch für unsere medizinische Abteilung waren es intensive Wochen. Mehrere Spieler fehlten verletzt oder angeschlagen. Während ihre Teamkollegen auf dem Platz trainierten, arbeiteten sie oft abseits davon an ihrem Comeback. Das sind keine spektakulären Bilder. Aber es sind viele kleine Schritte, die Geduld und Disziplin verlangen. Umso schöner ist es, dass an diesem Wochenende mehrere Spieler wieder zur Mannschaft zurückkehren dürften.
Im Schweizer Cup folgte dann die sportliche Reaktion – wenn auch erst nach der Pause. In Rebstein trat das Team in der zweiten Halbzeit entschlossener auf, erzielte innerhalb von 16 Minuten fünf Tore und zog mit einem 6:2-Sieg in den Sechzehntelfinal ein. In Erinnerung bleibt aber nicht nur das Resultat. Fans, Mitglieder und Partner machten sich gemeinsam auf den Weg ins Rheintal. So wurde aus einer sportlichen Pflichtaufgabe ein schöner Sonntagsausflug der FC-Wil-Familie. Auch das gehört zum Fussball: gemeinsam unterwegs zu sein und Erlebnisse zu teilen.
Diese Verbundenheit beginnt bei jeder Generation wieder von Neuem. Anfang August gehörte das Bergholz während drei Tagen den Kindern unseres Bergholz-Camps. Sie trainierten, lachten und begegneten den Spielern der ersten Mannschaft. Für einen Profi ist eine solche Begegnung vielleicht nur ein kurzer Termin im Wochenplan. Für ein Kind kann sie der Anfang einer lebenslangen Beziehung zum FC Wil 1900 sein.
Und schliesslich richtet sich unser Blick wieder auf die nächsten 90 Minuten. Nach mehreren Jahren empfangen wir den SC Kriens wieder zu einem Meisterschaftsspiel in der Lidl Arena. Mit Handball-Nationaltrainer Andy Schmid dürfen wir zudem einen besonderen Gast bei uns begrüssen.
Wenn der Schiedsrichter die Partie anpfeift, zählt zunächst nur das Geschehen auf dem Rasen. Doch in jedem Zweikampf, jedem Laufweg und hoffentlich auch in jedem gemeinsamen Jubel steckt vieles, was in den vergangenen Wochen passiert ist: die ehrliche Aufarbeitung nach Winterthur, die Arbeit unserer verletzten Spieler, das neue Selbstvertrauen aus Rebstein und die Unterstützung all jener Menschen, die unseren Verein mittragen.
Die 90 Minuten sind das, was wir sehen. Die Zeit dazwischen macht sie erst möglich.
Hopp Wil!
David Hugi Medienchef FC Wil 1900
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