Hinten und vorne zu wenig überzeugend
19. Dezember 2021

FC Stade Lausanne Ouchy – FC Wil 1900 2:1 (2:0)
Samstag, 18.12.2021

1:0 stand es auf der Anzeigetafel in der altehrwürdigen Lausanner Pontaise, als Ouchy-Keeper Hammel die rote Karte sah. Die rüde Intervention des Schlussmannes weckte bei manchem Wiler Fan in der 25. Minute die Hoffnung, dass es aus der Waadt doch noch Punkte zu entführen gab. Weit gefehlt: Die Jungs von Trainer Iacopetta fanden in der ganzen Partie nie die passenden Mittel gegen das defensiv zweitstärkste Team der Liga, weswegen die knappe 1:2 Niederlage im letzten Vorrundenspiel auch durchaus in Ordnung ging.

Die Hiobsbotschaft erreichte die Mannschaft bereits am Morgen. Captain Munti und Stürmer Noah Jones mussten das letzte Saisonspiel grippebedingt sausen lassen. Die Frage nach dem Ersatz für den gesperrten Abwehrchef Izmirlioglu war damit beantwortet. Mit Sauter/Talabidi schickte Coach Iacopetta das aktuell jüngste Innenverteidigungs-Duo des Schweizer Profi-Fussballs auf den Platz. Schiedsrichter Mirel Turkes pfiff die Partie pünktlich um 18.00 Uhr an. Für die Wiler folgte nicht nur temperaturtechnisch, sondern auch fussballerisch ein Kaltstart. Gerade mal sechs Minuten waren gespielt, als das 1:0 fiel. Ein einfacher Pass in die Schnittstelle der neu formierten Wiler Abwehr genügte, dass Labeau allein auf das Wiler Tor ziehen konnte, Verteidigung und Torwart umkurvte und ins leere Tor einnetze. Die Wiler liessen sich von ihrem Plan nicht beirren und suchten gleich anschliessend den Ausgleichstreffer. Sauter scheiterte genauso wie seine Kollegen Bahloul und Silvio. Nach der erwähnten Notbremse in der 25. Minute durch Hammel kam Ersatzgoalie Steffen zu seinem erst zweiten Einsatz auf der Schweizer Profibühne. Er musste zusehen, wie Wil in dieser Phase sehr offensiv agierte, und sich sein Team aufs Kontern konzentrierte. Höchst erfolgreich: Diesmal war es Hadji, der in der 33. Minute zum 2:0 einschieben konnte. Bis zur Pause passierte nicht mehr wahnsinnig viel. Die eine Hälfte der Spieler lief euphorisch, die andere leicht genickt in die Kabine. Die Hoffnung beim Wiler Anhang war gering, dass der zweite Sieg der Vereinsgeschichte auf der Pontaise doch noch Tatsache würde.

Die zweite Halbzeit stand unter dem Begriff des Powerplay Fussballs. Unser Stadionspeaker Simon Dudle bemerkte in seinem Tagblatt-Ticker durchaus treffend, dass sich im «Slot» allerdings zu wenig tue. Kaum geschrieben, schon revidiert: Nach 61 Minuten hiess es: Toooooor für den FC Wil 1900. Steffen wehrte einen Ball Brahimis unmittelbar vor die Füsse Fazlius ab. Dieser schoss direkt und flach in die rechte Ecke zum 2:1 Anschlusstreffer. Nach fussballerisch wenig zwingenden Szenen passierte in der 68. Minute personell bemerkenswertes: Dickenmann verliess den Platz für Frei und Brahimi für Heule. Damit bestand die komplette Wiler Abwehr aus 2001er Jahrgängen, hinten abgesichert durch den 19-jährigen Torwart Keller. Jugendarbeit in Reinkultur – auch wenn an diesem Abend die dirigierende, erfahrene Hand Muntis an allen Ecken und Ende fehlte. Am Ende des Spiels verzeichneten die Statistiker 23 Wiler Abschlüsse, womit der Allzeitrekord von vorletzter Woche gegen Thun egalisiert wurde. Das Eckball-Verhältnis lautete 6:0 und die Zahl der Fehlschüsse 17:4. Und letzteres war dann auch der grosse Unterscheid im Vergleich zum Spiel in Thun. Schlicht und einfach zu wenig effizient – die Niederlage ging so in Ordnung.

Der FC Wil 1900 hat in dieser Vorrunde offensiv vieles richtig gemacht und stellt den besten Angriff der Liga. Defensiv gibt es einige Optimierungsfaktoren, speziell die sehr einfachen Gegentore: Ein, zwei Pässe in die Schnittstelle der Mitte oder über die Seiten hebeln die Wiler Abwehr zu häufig aus. Unser Trainerduo Iacopetta/Kukeli ist gefordert. Nach zwei Wochen Pause beginnt am 4. Januar bereits wieder das Training für die Rückrunde – in der letzten Januarwoche spielt der FC Wil 1900 zuhause gegen den FC Vaduz. Hopp WIL!

 

HOPP WIL.
chliinä Club, grossi Gschichtä

 

Stade Lausanne Ouchy – FC Wil 1900 – 2:1 (2:0)
Pontaise, Lausanne: 453 Zuschauer – Schiedsrichter: Turkes

 

Tore: 6’ Labeau 1:0, 33’ Hadji 2:0, 61’ Fazliu 2:1

Stade Lausanne: Hammel, Kadima Mpata, Hajrulahu, Pos, Asllani M (46. Rüfli), Abdullah, Cueni (69. Chader), Qarri (27. Steffen), Hadji (46. Laugeois), Bayard (69. Aijdini), Labeau
Wil: Keller; Dickenmann (68. Frei), Sauter (89. Miranda), Talabidi, Brahimi (68. Heule); Fazliu, Reichmuth (82. Ndau), Kamber; Bahloul (82. Rustemoski), Silvio, Lukembila.

Bemerkungen: Wil ohne Muntwiler und Jones (krank), Izmirlioglu und Zumberi (gesperrt), de Mol, Malinowski, Saho, Daniel, Krunic (alle verletzt), Abazi (nicht im Aufgebot).
Verwarnungen: Hammel (rot), Pos, Steffen, Sauter, Reichmuth

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