An Dramatik kaum zu überbieten
30. Oktober 2022

64 Minuten waren in der Lidl Arena gespielt, als Michi Heule nach einem Wirrwarr im Strafraum die Kugel im Stile eines Torwarts von der Linie kratzte. Da Heule Aussenverteidiger ist und die Hände nicht zu Hilfe nehmen sollte, war die rote Karte mit anschliessendem Strafstoss die logische Konsequenz. Dass dies der Beginn von denkwürdigen 25 Fussballminuten war, hätte wohl niemand geahnt. Aber schön der Reihe nach. Coach Iacopetta musste den gesperrten Captain Muntwiler im defensiven Mittelfeld ersetzen. Das Vertrauen schenkte er dem Lausanner Cueni, der eine sehr abgeklärte Partie spielte und Munti perfekt vertrat. Ansonsten gab es keine Überraschungen bei der Startaufstellung der Wiler. Die Schaffhauser ihrerseits mussten auf Topskorer Bobadilla verzichten.

Die Heimmannschaft bestimmte die gesamte erste Halbzeit das Spiel, während die Schaffhauser eher verunsichert auftraten. Wenn es mal gefährlich wurde vor Keller, dann gingen Wiler Eigenfehler den Aktionen voraus. Das Tor durch Reichmuth in der 29. Minute nach einem schönen Schlenzer war der verdiente Lohn für eine kompakte Mannschaftsleistung. Kaum einer hätte beim Gang zum Pausentee gedacht, dass an diesem Abend noch sechs weitere Tore folgen würden.

Dem bereits erwähnten Ausgleich der Schaffhauser in der 65. Minute durch Müller ging eine der sehr seltenen Offensivaktionen voraus und Abstimmungsprobleme zwischen Zumberi und Wallner. Wer glaubte, dass die Wiler mit einem Mann weniger zurückstecken und nur noch verteidigen würden, sah sich eines Besseren belehrt. Nur acht Minuten nach dem Ausgleichstreffer profitierte Lukembila von einem Torwartpatzer. Rhyner spielt den Ball zurück zu Ruberto, der die Kugel statt wegzubefördern, direkt Lukembila in die Füsse spielte. Unsere Nummer 9 versenkte souverän.

Anschliessend folgten zwei Traumtore der Schaffhauser aus der Distanz und viel sprach nach 82 Minuten dafür, dass die Wiler die erste Heimniederlage dieser Saison in Kauf nehmen mussten. Weit gefehlt! Mit einer unglaublichen Willensleistung war es zuerst Silvio, der nur eine Minute nach dem Schaffhauser Führungstreffer nach einer Traumflanke von Brahimi einköpfte. Und eine Minute vor Schluss trat Ndau einer dieser perfekten Eckbälle von rechts. Die Schaffhauser bekamen den Ball nicht geklärt und Montolio wuchtete den Ball mit dem Fuss aus kurzer Distanz über die Linie. Das Stadion bebte und einer dieser denkwürdigen Fussballmomente war Tatsache.

Weiter geht es für den FC Wil am kommenden Freitag gegen den FC Thun. Anpfiff im Berner Oberland ist um 20.15 Uhr. Hopp WIL!

FC Wil – FC Schaffhausen 4:3 (1:0)
Lidl Arena, Wil: 1190 Zuschauer – Sr: Schmölzer.

Tore: 29. Reichmuth 1:0, 65. Müller (Handelfmeter) 1:1, 73. Lukembila 2:1, 78. Hamdiu 2:2, 82. Stevic 2:3, 83. Silvio 3:3, 89. Montolio 4:3.

FC Wil 1900: Keller; Saho (88. Dickenmann), Montolio, Wallner, Heule; Reichmuth (77. Ndau), Cueni, Zumberi (68. Brahimi); Bahloul (68. Maier), Silvio, Lukembila.
FC Schaffhausen: Ruberto; Lurvink (79. A. Müller), S. Müller, Rhyner, Lika; Hamdiu; Kalem, Soldo (60. Sarr), Maouche (79. Rustemoski), Vogt (60. Stevic); Sliskovic (87. Cherny).

Bemerkungen: Wil ohne Muntwiler (gesperrt), Strübi (verletzt), Haarbo, Abazi und Baralija (alle nicht im Aufgebot). Schaffhausen ohne Luan, Sahitaj, Bobadilla (verletzt) und Gonzalez (krank).
Verwarnungen: 43. Lurvink, 47. Lika, 55. Hamdiu, 65. Reichmuth, 82. Stevic. – Platzverweis: 64. Heule.

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